Pressemitteilung vom 27.11.2025:
Die Forschungsstelle Kaiserpfalz der Stadt Ingelheim und die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) haben einen Kooperationsvertrag über die „Auswertung der archäologischen Untersuchungen im jüdischen Kultbezirk von Worms 2021–2024“ geschlossen. Mit dem gemeinsamen Projekt, das tiefere Einblicke in die Bau- und Kulturgeschichte des SchUM-Welterbes von Worms liefern soll, wird die erfolgreiche Zusammenarbeit der Oberen Denkmalfachbehörde des Landes und der Stadt Ingelheim fortgesetzt. Die Forschungsstelle Kaiserpfalz übernimmt im Rahmen der Kooperation die wissenschaftliche Auswertung aller mittelalterlichen Befunde und Funde. Das Land finanziert das Vorhaben, das voraussichtlich im März 2027 abgeschlossen wird.
Die Kaiserpfalz als Labor für archäologische Forschung
Schon 2018 hatten beide Institutionen mit einem Abkommen eine fünfjährige Zusammenarbeit besiegelt. Die jetzt getroffene Vereinbarung beinhaltet eine auf zehn Jahre angelegte Kooperation in Forschung, wissenschaftlicher Vernetzung sowie Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit. Anstelle der Generaldirektorin des LEIZA, Univ.-Prof. Dr. Alexandra Busch, unterzeichnete der stellvertretende Direktor und Leiter des Kompetenzbereichs Römische Archäologie, Univ.-Prof. Dr. Dominik Maschek, den Vertrag. In seinem Grußwort betonte der Archäologe die bis in das 19. Jahrhundert zurückreichende Verbindung zwischen der Pfalz Ingelheim und dem 1852 gegründeten Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM). Die Zusammenarbeit sei in der Vergangenheit schon beeindruckend gewesen, aber die Zukunft verspreche sogar noch mehr, unterstrich Maschek. „Die Kaiserpfalz ist nicht nur ein herausragendes Kulturdenkmal, sie ist auch ein Labor der archäologischen Forschung.“ Bei der zukünftigen Zusammenarbeit liegt der Fokus vor allem auf archäologischer Materialforschung, aus der sich Erkenntnisse über Kultur, Wirtschaft und Soziales in der Region ziehen lassen.
Für die Stadt Ingelheim signierte Bürgermeisterin und Kulturdezernentin Eveline Breyer den Vertrag. Sie zeigte sich in ihrem Grußwort überzeugt, dass die Forschungsstelle für die Stadt Ingelheim einen enormen Mehrwert biete, da sie Geschichte nicht nur für den Tourismus, sondern vor allem für die Menschen in der Region greifbar mache, für die das Denkmal Kaiserpfalz identitätsstiftend sei. Stephanie Metz, Leiterin der Außenstelle Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), Direktion Landesarchäologie, hob in ihrem Grußwort die Rolle der Forschungsstelle als in ihrer Art seltener Fachinstitution hervor, deren Kompetenz auch andernorts gefragt sei, wie aktuell im SchUM-Welterbe Worms. Der interdisziplinäre Ansatz der dort stattfindenden Mittelalter-Forschung sei zwingend notwendig, um der Komplexität historischer Zusammenhänge überhaupt gerecht werden zu können. Holger Grewe, der die Forschungsstelle Kaiserpfalz seit ihrer Gründung 2001 leitet, skizzierte wichtige Stationen der archäologischen Untersuchungen wie Aula regia, Heidesheimer Tor und Remigiuskirche: „Die wichtigste Aufgabe ist das Zusammenspiel von Entdecken, Erschließen und Vermitteln.“
Einflüsse aus dem Süden im Fokus
Im Fokus der Tagung, die von Matylda Gierszewska-Noszczyńska (Forschungsstelle Kaiserpfalz) und Lutz Grunwald (LEIZA) organisiert wurde, stand der Übergang von der Spätantike in das Mittelalter. Die insgesamt 25 Referate widmeten sich dabei vor allem der Frage, welche Kontakte sich in dieser Epoche zwischen dem Raum am Rhein und südlicheren Regionen, etwa den alemannischen Gebieten oder dem südlich der Alpen liegenden Herrschaftsbereich der Langobarden, nachweisen lassen. Welche Einflüsse aus Italien finden sich zum Beispiel im Fundgut des Gräberfeldes an der Rotweinstraße? An welchen Vorbildern orientierten sich die Baumeister Karls des Großen bei der Errichtung der Pfalz in Ingelheim? Mit ähnlichen Fragestellungen untersuchten Forschende u. a. aus Aachen, Trier, Köln, Frankfurt und weiteren Orten entlang des Rheins archäologische Denkmäler oder Funde aus Gräbern.
Veranstaltet wurde die Fachkonferenz, deren Inhalte in einem Tagungsband publiziert werden sollen, von der Forschungsstelle Kaiserpfalz der Stadt Ingelheim und dem Leibnitz-Zentrum für Archäologie (LEIZA). Kooperationspartner waren das Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie in Frankfurt sowie der Arbeitskreis Pfalzenforschung.